Von
Alexandra Maier
24.06.26
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Karriere & Entwicklung

Wie man Feedback gibt und
annimmt – Feedbackregeln und Beispielsätze

Zwei Mitarbeitende geben sich in einem Büro gegenseitig Feedback
© Gettyimages

Kaum etwas entscheidet in der Arbeitswelt so stark über Zusammenarbeit und Entwicklung wie Feedback – und kaum etwas wird gleichzeitig so oft falsch verstanden. Zwischen Motivation und Abwehr liegen oft nur wenige Worte. Wie also gelingt Feedback, das Wirkung statt Widerstand erzeugt?

Karrierebooster oder soziale Bedrohung? Feedback kann tatsächlich beides sein. Es ist ein mächtiges und zugleich höchst ambivalentes Instrument. Auf der einen Seite unterstützt es unsere persönliche Weiterentwicklung, gibt Orientierung und fördert die Zusammenarbeit im Team. Auf der anderen wirkt es nicht selten als Angriff auf unser Selbstbild – auch und gerade in der Arbeitswelt. Wie also Feedback geben oder annehmen, damit es die gewünschten Effekte erzielt und nicht einschüchternd oder gar demotivierend wirkt? 


Monika Frenker - Profilbild


„Wer mit Rückmeldungen wirklich etwas bewirken will, kann auf ein paar klare Regeln zurückgreifen, die sich im Alltag leicht anwenden lassen.“

Monika Frenker
Global Head of Talent and Performance bei Hays

 

Feedback geben: So gelingt konstruktives Feedback wirklich

Moderne Zusammenarbeit lebt nicht mehr von klaren Hierarchien, sondern von Austausch, Abstimmung und der Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven konstruktiv zusammenzuführen. Feedback liefert dafür die Basis: Es schafft Orientierung in komplexen Situationen, beschleunigt Lernen und hilft, Zusammenarbeit gezielt zu verbessern. 

Doch genau darin liegt die Herausforderung: Wirkung entsteht nicht durch das Feedback selbst, sondern durch die Art, wie es formuliert, vermittelt und aufgenommen wird. Um sich diese Schlüsselkompetenz in der modernen Arbeitswelt anzueignen, braucht es mehr als Intuition. Es braucht ein klares Verständnis davon, was konstruktives Feedback ausmacht und wie es im Alltag gelingt.
 

Regel 1: Timing – der richtige Moment entscheidet

Feedback wirkt nur, wenn die Situation noch präsent ist und in einem passenden Rahmen besprochen wird: zeitnah, unter vier Augen, in ruhiger Atmosphäre und einem geschützten Raum. Das signalisiert Wertschätzung, genau wie die innere Haltung, mit der Sie ins Gespräch gehen: Kommunizieren Sie ruhig, offen und wohlwollend, so fällt es Ihrem Gegenüber leichter, Feedback anzunehmen. Vereinbaren Sie am besten einen Termin und meiden Sie Tür-und-Angel-Gespräche oder Rückmeldungen im Affekt. Dies provoziert nur Abwehrhaltungen. 

Beispiele:

„Ich würde gern kurz mit dir über das Meeting von heute sprechen. Hättest du morgen Vormittag Zeit?“

„Mir ist im Kundencall eben etwas aufgefallen, passt es dir heute Nachmittag für ein kurzes Feedback?“
 

Regel 2: Ich-Botschaften statt Vorwürfe

Hand aufs Herz: Welche Aussage können Sie besser annehmen?

a)  „Du kommst immer zu spät zu unseren Besprechungen!“
b)  „Zu unserem Termin um 15:00 Uhr bist du um 15:10 Uhr erschienen. Es stresst mich, wenn wir unsere Besprechungen nicht pünktlich starten, denn dann komme ich mit meinen weiteren Terminen in Verzug.“ 

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Aussage b). Denn während Aussage a) das Gegenüber bewertet und damit automatisch eine Abwehrreaktion auslöst, bringt die Ich-Botschaft in Aussage b) die eigene Beobachtung und das zugrunde liegende Bedürfnis zum Ausdruck – und öffnet damit die Tür zu einem konstruktiven, lösungsorientierten Gespräch. 
 

 
Konkret und in Ich-Botschaften – so formulieren Sie Feedback konstruktiv.

Was bestechend einfach klingt, ist in der Praxis oft gar nicht so leicht umzusetzen. Denn viele Ich-Botschaften sind in Wirklichkeit nichts anderes als getarnte Du-Vorwürfe:

  • „Ich habe das Gefühl, du kommst immer zu spät!“
  • „Ich finde, du argumentierst unstrukturiert!“

Diese Aussagen sind zwar in der ersten Person formuliert, bewerten aber dennoch das Gegenüber. Eine echte Ich-Botschaft hingegen ist subjektiv, persönlich und folgt einem klaren Aufbau:

1. Beobachtung: „Ich merke, dass …“, „Mir ist aufgefallen, dass …“
2. Gefühl: „Ich fühle mich dadurch …“
3. Bedürfnis: „Mir ist wichtig, dass …“
4. Wunsch: „Könntest du deshalb bitte …“

Beispiel: 

„Mir ist aufgefallen, dass du während meiner Präsentation immer wieder auf dein Handy geschaut hast. Ich fühlte mich dadurch irritiert und habe den Faden verloren. Deine Aufmerksamkeit ist mir wichtig. Könntest du deshalb in Zukunft bitte dein Handy in der Tasche oder auf dem Tisch lassen?“


Regel 3: Verhalten konkret beschreiben und Pauschalisierungen vermeiden

Konstruktives Feedback verallgemeinert nicht, sondern beschreibt konkrete Beobachtungen. Denn nur so lassen sich die Rückmeldung nachvollziehen und das Verhalten ändern. 

Beispiel:

  • „Im letzten Meeting ist mir aufgefallen, dass du zweimal Kolleginnen unterbrochen hast. Dadurch ist der rote Faden in der Gesprächsführung verloren gegangen.“

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„Vermeiden Sie im Zuge dessen auch Pauschalisierungen wie ‚immer‘, ‚nie‘, ‚ständig‘ etc. Denn dadurch maßen Sie sich an, alle Situationen bewerten zu können statt sich auf eine konkrete, lösbare Situation zu beziehen. Die Folge: Ihr Gegenüber denkt nicht mehr über sein oder ihr Verhalten nach, sondern schaltet direkt auf Durchzug, Verteidigung oder Gegenangriff, weil er oder sie beispielsweise sagen kann: ‚Aber immer mache ich das nicht!“

Monika Frenker
Global Head of Talent and Performance

 

Regel 4: Lösungsperspektive bieten

Feedback hat das Ziel, das Verhalten eines Menschen weiterzuentwickeln. Deshalb sollte es sich nur auf Aspekte beziehen, die tatsächlich veränderbar sind. Auch sollten Sie nicht bei der Kritik stehen bleiben. Das wirkt nur demotivierend. Fokussieren Sie stattdessen auf die Zukunft und äußern Sie konkrete Wünsche, zum Beispiel nach der 3-W-Methode (Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch), wie in unserem Blog-Beitrag „Die Kunst des Feedbacks: verständlich und verträglich“ beschrieben:

Beispiel:

  • Wahrnehmung: „Mir ist aufgefallen, dass du dein Briefing zwei Tage nach der vereinbarten Frist abgegeben hast.“
  • Wirkung: „Darüber habe ich mich geärgert, weil mir Zuverlässigkeit wichtig ist und ich jetzt in Zeitdruck gerate.“
  • Wunsch: „Ich wünsche mir, dass du dich in Zukunft an Deadlines hältst.“

So weiß Ihr Gegenüber genau, was in Zukunft von ihm oder ihr erwartet wird und kann entsprechende Lösungen entwickeln.


Regel 5: Positives Feedback geben

Ist Feedback nicht immer ein Synonym für Kritik? Keinesfalls! Um zu motivieren, Selbstvertrauen aufzubauen und erwünschtes Verhalten zu verstärken, ist positives Feedback genauso wichtig wie negatives. Bei der Formulierung gelten die gleichen Regeln: Vermeiden Sie Pauschalisierungen und werden Sie so konkret wie möglich:

  • Statt: „Gut gemacht!“
  • Besser: „Deine Präsentation hat unseren Kunden richtig beeindruckt – ganz besonders die ersten Folien, die völlig auf ihn und seine Situation zugeschnitten waren und ihn dadurch richtig abgeholt haben.“

 

Regel 6: Positives Feedback gezielt mit negativem Feedback kombinieren

Lob baut zudem psychologische Sicherheit auf, die vielen Menschen hilft, sich offener gegenüber Kritik oder Verbesserungsvorschlägen zu zeigen. Kombinieren Sie deshalb gezielt positives mit konstruktivem Feedback. 
Wurde früher dazu oft die Sandwich-Methode („Lob-Kritik-Lob“) empfohlen, setzt man heute auf modernere Varianten. Aus gutem Grund:


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„In manchen Situationen kann die Sandwich-Methode dazu führen, dass der Feedback-Nehmende den negativen Punkt zwischen den positiven Aspekten gar nicht wahrnimmt oder ihn als weniger wichtig einschätzt, weil mehr positive Dinge genannt werden. Wenden wir diese Technik häufiger an, kann es umgekehrt auch passieren, dass das Gegenüber die positiven Rückmeldungen gar nicht mehr richtig hört, weil er oder sie sich nur auf den ‚relevanten‘ Mittelteil des Feedbacks konzentriert. Deshalb ist es sinnvoller, auch hier mit dem WWW-Modell zu arbeiten.“

Monika Frenker
Global Head of Talent & Performance bei Hays

 

Zum Beispiel so: 

„Dein Einstieg in die Präsentation war sehr gelungen. Im Mittelteil hat mir etwas Struktur gefehlt. Dadurch konnte ich deiner Argumentation nicht so gut folgen. Lass uns hier nächstes Mal nachschärfen.“

Eine knappe Zusammenfassung der Feedback-Regeln und noch mehr Beispiele sehen Sie in diesem Video: 

 

 

Feedback annehmen: kurz, klar und alltagstauglich

Feedback zu geben, fühlt sich oft souverän an. Es anzunehmen, kann dagegen unbequem sein – weil es uns infrage stellt. Doch genau in diesem Moment entscheidet sich, ob wir uns verschließen oder weiterentwickeln.
 

Tipp 1: Zuhören – nicht sofort reagieren

Auch wenn es vielleicht schwerfällt: Hören Sie zu, was Ihr Gegenüber zu sagen hat. Wer sofort kontert, verpasst die Chance zu lernen.

Beispiele:

  • „Danke, dass du mir das sagst. Ich höre erst einmal zu.“
  • „Erzähl mir bitte mehr dazu.“

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„Grundsätzlich gilt: erst zuhören, nicht sofort verteidigen. In manchen Situationen ist es aber legitim, die eigene Entscheidung zu erklären – und diese auch offen zur Diskussion zu stellen.“

Monika Frenker
Global Head of Talent & Performance bei Hays

 

Tipp 2: Rückfragen stellen

Feedback ist erst dann wertvoll, wenn wir es wirklich verstehen. Haben Sie deshalb den Mut, Rückfragen zu stellen. 

Beispiele:

  • „Was genau meinst du mit unklarer Kommunikation?“
  • „Kannst du mir ein Beispiel nennen?“
  • „Kannst du mir sagen, in welcher Situation dir das besonders aufgefallen ist?“
     

 
Emotional von Feedback getroffen? Dann reagieren Sie nicht gleich, sondern nehmen Sie sich Zeit, Ihre Gefühle zu ordnen.
 

Tipp 3: Anerkennen, was stimmt

Wer Feedback als berechtigt anerkennt, signalisiert Wertschätzung, Offenheit und fördert das gegenseitige Vertrauen. Das stärkt die Beziehung und macht den weiteren Austausch deutlich konstruktiver.

Beispiele:

  • „Das kann ich nachvollziehen – danke für den Hinweis!“
  • „Danke für dein offenes Feedback.“
  • „Ich sehe, was du meinst.“

 

Tipp 4: Zeit nehmen – nicht sofort bewerten

Wenn Feedback emotional trifft, ist es völlig in Ordnung, nicht sofort zu reagieren, sondern erst einmal seine Gefühle zu ordnen. Wer sich bewusst Zeit nimmt, beweist Souveränität – und schafft die Grundlage für eine reflektierte, statt impulsive Antwort.

Beispiele:

  • „Ich brauche kurz Zeit, um das sacken zu lassen – können wir später weiterreden?“
  • „Danke für das Feedback, da war eine Menge drin. Das muss ich erst einmal reflektieren. Ich komme auf dich zu, wenn ich noch Rückfragen habe.“

 

Tipp 5: Feedback als Entwicklungschance begreifen

Wer Feedback als Entwicklungschance begreift, erkennt darin oft blinde Flecken, die sonst verborgen bleiben. Genau darin liegt der größte Mehrwert: die Möglichkeit, sich gezielt weiterzuentwickeln.

Beispiele:

  • „Danke, ich nehme das mit und werde es beim nächsten Mal ausprobieren.“
  • „Danke, ich schaue mir das genauer an.“

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“Feedback ist ein zentraler Hebel für gute Arbeit. Es hilft uns, den eigenen Blickwinkel zu verlassen und nicht in unseren individuellen Denkmustern zu verharren. Erst durch Feedback erkennen wir, ob wir wirklich den richtigen Weg gehen und die Wirkung erzielen, die wir beabsichtigen.“

Monika Frenker
Global Head of Talent & Performance bei Hays

 

Fazit

Feedback ist weit mehr als ein Kommunikationsinstrument – es ist eine zentrale Voraussetzung für wirkungsvolle Zusammenarbeit und persönliche Weiterentwicklung. Entscheidend ist dabei nicht nur, was, sondern vor allem, wie etwas gesagt wird: Konstruktives Feedback beschreibt, statt zu bewerten, bleibt konkret und eröffnet Perspektiven für die Zukunft. Gleichzeitig zeigt sich echte Professionalität erst im Umgang mit Feedback: Wer zuhört, reflektiert und Impulse annimmt, schafft die Grundlage für Lernen und Entwicklung.
So entsteht eine Feedbackkultur, die nicht trennt, sondern verbindet – und die aus individuellen Rückmeldungen echten Fortschritt macht.


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„Feedback geben und annehmen ist wie ein Muskel, den wir trainieren können. Wie beim Gang ins Fitnessstudio braucht es dafür manchmal Überwindung. Aber je öfter wir ihn trainieren, desto stärker wird er – und desto stärker wird unsere Zusammenarbeit.”

Monika Frenker
Global Head of Talent & Performance

 

Zur Person:

 

Monika Frenker ist Global Head of Talent & Performance bei der Personalberatung Hays, wo sie zuvor als Senior-Teamleiterin in der Personalentwicklung tätig war. Vor ihrem Einstieg bei Hays 2014 arbeitete die Diplom-Psychologin als Trainerin, Beraterin und Change Managerin.


 

FAQ

 

Wie gebe ich wertschätzend Feedback, ohne zu verletzen?

Wertschätzendes Feedback entsteht dort, wo Haltung und Formulierung zusammenpassen: Bleiben Sie bei sich, formulieren Sie in Ich Botschaften und beschreiben Sie konkrete Situationen, statt pauschal zu bewerten. Schlagen Sie einen lösungsorientierten Ton an – idealerweise in einem ruhigen, geschützten Rahmen, der Vertrauen schafft und echten Dialog ermöglicht.
 

Wie nehme ich Kritik professionell an?

Bleiben Sie ruhig, hören Sie aktiv zu und vermeiden Sie vorschnelle Rechtfertigungen. Wer Feedback zunächst versteht, statt es direkt zu bewerten, schafft die Basis für echte Entwicklung.
 

Was tun bei unfair wirkendem Feedback?

Auch Feedback, das auf den ersten Blick unfair erscheint, lohnt eine differenzierte Betrachtung. Ordnen Sie die Rückmeldung als Perspektive ein, fragen Sie nach konkreten Beispielen und holen Sie bei Bedarf eine zweite Sichtweise von einer Person ein, der Sie vertrauen.
 

Wie gebe ich Feedback an Freelancer?

Grundsätzlich gelten hier erst einmal die gleichen Regeln und Methoden. Was in der Zusammenarbeit mit externen Partnern jedoch besonders wichtig ist, sind Klarheit und Struktur. Formulieren Sie Erwartungen transparent und fokussieren Sie mit Ihrem Feedback auf das Ergebnis und die Zusammenarbeit.

Wie oft sollte Feedback im Team stattfinden?

Feedback entfaltet seine Wirkung vor allem durch Regelmäßigkeit. Kurze, kontinuierliche Rückmeldungen, zum Beispiel in Form sogenannter Win-Feedbacks (Was hat funktioniert? Was muss noch verbessert werden?) am Ende von Regelmeetings, sind wirksamer als seltene, umfangreiche Gespräche – und fördern eine offene Feedbackkultur im Team.

Alexandra Maier

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