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11.02.26
06.02.26
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Zukunft & Innovation

Zukunftsjobs 2035 – die wichtigsten Berufe, Branchen und Skills

Frau mit Augmented Reality (AR) Brille steht im Dunkeln und arbeitet
© GettyImages / ASKA

KI übernimmt Routinetätigkeiten, Menschen sichern die Qualität. Anna Lüttgen, Director Talent Delivery bei Hays, erklärt, welche Branchen wachsen, welche Rollen gefragt sind und wie der Einstieg gelingt.

Zukunftsberufe

Welche Berufe haben Zukunft?
 

Welche Kriterien bestimmen Zukunftsfähigkeit?

Anna Lüttgen: Unternehmen stehen derzeit unter einem enormen Kosten- und Wettbewerbsdruck. Parallel dazu verschärft der demographische Wandel den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Damit wird Technologie zum stärksten Treiber der Zukunftsfähigkeit. Denn Digitalisierung und KI helfen Unternehmen, ihre Abläufe zu standardisieren und zu automatisieren, um effizienter, günstiger und zuverlässiger zu arbeiten – und damit wettbewerbsfähig zu bleiben.

Diese Entwicklung hebt zugleich die Bedeutung jener Tätigkeiten, die nicht standardisierbar sind und für die es sowohl Urteilskraft als auch ein hohes Verantwortungs- und Qualitätsbewusstsein braucht. Wer also Technologieoffenheit, Lernbereitschaft und einen souveränen Umgang mit wechselnden Rahmenbedingungen mitbringt, bleibt relevant – unabhängig vom Jobtitel.

In welchen Branchen entsteht die meiste Nachfrage?

Anna Lüttgen: Die Nachfrage wächst vor allem dort, wo es einen hohen Investitions- und Innovationsdruck und/oder staatliche Förderungen gibt. Also in den Bereichen Energie/Utilities und Infrastruktur, Defence, Medizin, Medizintechnik, Pharma/Life Sciences sowie Hightech.

Die Dienstleistungsmärkte dagegen konsolidieren sich gerade. Sie sind lange gewachsen, teilweise ohne die Strukturen entsprechend nachzuziehen. Hier schauen die Kunden nun kritischer auf den jeweiligen Wertbeitrag. Auch die klassischen Industrien wie zum Beispiel die Automobilbranche stehen nun stärker unter Kostendruck. Wer austauschbare „Commodity“ liefert, rutscht in den Preiswettbewerb; wer sich dagegen spezialisiert und seine Qualität nachweislich steigert, wird sich behaupten.
 

Roboterfinger und Menschenfinger berühren sich an der Spitze und ein Licht glimmt aufIn Zukunft werden vor allem Berufe wichtig, die Automatisierung als Verstärker nutzen und gleichzeitig menschliche Skills erfordern. © NMStudio789 / Shutterstock
 

Welche Berufe sind in Zukunft besonders gefragt?

Anna Lüttgen: KI nimmt uns vor allem standardisierte Vor- und Zuarbeiten ab wie zum Beispiel Recherche, Sichtung und Zusammenführung von Daten. Sie fungiert dabei als eine Art „Personal Assistant“, dessen Ergebnisse allerdings validiert werden müssen. So bleibt die letzte Meile menschlich.

In Zukunft werden deshalb vor allem Rollen wichtig werden, die Automatisierung als Verstärker nutzen und gleichzeitig menschliche Skills wie Urteilsvermögen, Kontextverständnis, ethische Erwägungen oder psychologische Kenntnisse erfordern. Dazu zählen zum Beispiel diese Berufe:

  • Cloud Architects
  • KI- und Machine-Learning-Spezialisten
  • Prompt Engineers
  • Cyber Security Specialists
  • BI-Analysts
  • ESG-Berater
  • Circular Economy Manager
  • UX/UI-Designer
  • KI-Ethik-Experten
  • Experten für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)
  • Change- und Transformationsspezialisten
  • Arbeitspsychologen
  • Organisationsentwickler
     

Welche Jobs werden in Zukunft durch KI ersetzt werden?

Anna Lüttgen: Nur wenige Jobs werden komplett von KI ersetzt werden, es geht eher um bestimmte Tätigkeitsfelder. Besonders betroffen sind hoch standardisierte Sachbearbeitungsaufgaben, First Level Support oder Telefonzentralen, wo Self Service und Chatbots bereits viel abfangen. Ebenfalls automatisierbar sind einfaches Reporting und standardisierte buchhalterische Routinen. 

Für die verbleibenden Mitarbeitenden bedeutet das eine Aufwertung der Rolle: Sie bearbeiten komplexere Fälle und brauchen dafür eine höhere Qualifikation. Automatisierung verlagert also Anspruch und Kompetenz nach oben.

 

Top 5 Zukunftsberufe

Top 5 Zukunftsskills

  • Resilienz
  • Lernbereitschaft
  • Technologieoffenheit
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Veränderungsfähigkeit


 

Marco Rocca auf Video-Teaser für die Top 10 Jobs der ZukunftDigitalisierung und KI verändern die Arbeitswelt rasant. Entdecken Sie in diesem Video Berufe, die auch morgen noch gefragt sind. © Marco Rocca / Hays

 

Branchen & Industrien

Welche Branchen bieten bis 2035 die besten Karriereperspektiven?
 

Welche Rolle spielt Green Tech?

Anna Lüttgen: Nachhaltige Technologien bleiben strategisch wichtig – als Innovationsmotor und Hebel, um Klimafolgen mit Lösungen zu adressieren. Entscheidend ist dabei die Skalierung marktfähiger, effizienter Lösungen, die echte Mehrwerte und hochwertige Jobs entlang der Wertschöpfungskette schaffen.

Wie verändert sich die Gesundheitsbranche?

Anna Lüttgen: Die Demografie erhöht Nachfrage und Kosten, deshalb werden Automatisierung, Prozessoptimierung und KI-Assistenz (z. B. in Diagnostik oder Patienten-Zusammenfassungen) immer wichtiger, um medizinische Qualität bezahlbar zu halten, Fachpersonal von Bürokratie zu entlasten und dadurch mehr Zeit für die direkte Arbeit mit Patientinnen und Patienten zu verschaffen.

Welche Risiken bestehen für traditionelle Branchen?

Anna Lüttgen: Das Risiko heißt Austauschbarkeit. Wer Standardprodukte, die keine besondere Fertigungstechniken erfordern, anbietet, konkurriert preislich mit nationalen und internationalen Anbietern. Wer sich dagegen spezialisiert, seine Qualität steigert und Know-how in Research/Innovation hält, bleibt sichtbar und weniger angreifbar.

 

Top 5 größten Wachstumsbranchen


 

IT & KI-Jobs

Wie steigen Bewerbende in KI- und IT-Jobs ein?
 

Wie gelingt der Einstieg in gefragte KI- und IT-Jobs?

Anna Lüttgen: Das hängt davon ab, wo man sich in seiner Karriere befindet. Wer in Ausbildung ist, sollte sich entsprechende Praktika, Projekte oder Bildungsangebote suchen und dabei erste Erfahrungen sammeln. Besonders gefragt sind die Bereiche Cloud-Architektur, KI/Machine Learning Engineering, Cyber Security, Data/Business Analytics, UX/UI, KI-Ethik.

Wer schon in einem Job arbeitet, zum Beispiel als Softwareentwickler, und beobachtet, dass der Trend hin zur Cloud geht, sollte in Personalgesprächen aktiv einfordern, sich in diese Richtung weiterbilden zu können. Mein Rat: Werden Sie aktiv und nehmen Sie Ihre Entwicklung selbst in die Hand. Zu warten, bis das andere für Sie tun, wird nicht funktionieren!
 

Sie stehen am Anfang Ihrer Karriere? Nutzen Sie unsere Karriereservices für Berufseinsteiger und finden Sie Ihren Job mit Zukunft.

 

Welche Möglichkeiten gibt es für Quereinsteigende?

Anna Lüttgen: Quereinsteigende sollten mit einer ehrlichen Gap-Analyse beginnen: Wo bin ich heute, wo will ich hin, was fehlt mir – und wie bekomme ich das? Praxiserfahrungen sind dabei der Schlüssel zum Erfolg: freiwillige Projekte, Ehrenämter, Praktika oder auch eine Umschulung bei seriösen Bildungsträgern. Die Wege zum Quereinstieg sind individuell; entscheidend sind eigenverantwortliches Lernen und die Bereitschaft, sein Ziel konsequent zu verfolgen.

 

Top 5 IT-/KI-Jobs


 

Bewerbung & Arbeitgeberwahl

Wie finden Bewerber innovative Firmen – und erhöhen ihre Chancen auf Zukunftsjobs?
 

Welche Signale zeigen Innovationskraft?

Anna Lüttgen: Neben der Website liefern Profile und Beiträge von Mitarbeitenden sowie Bewertungsplattformen für Arbeitgeber realistische Einblicke. Direktes Netzwerken (z. B. gezielte Kontaktaufnahme über soziale Medien) hilft, Kultur, Arbeitsweise und langfristige Passung des Unternehmens einzuschätzen.

Auch divers zusammengesetzte Teams und eine gelebte Fehlerkultur, die Experimente erlaubt und Lernen institutionalisiert, sind wichtige Indikatoren für die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens.

Wie bereitet man sich auf Tech-Interviews vor?

Anna Lüttgen: Eine gute Vorbereitung beinhaltet auf jeden Fall, konkrete Beispiele der eigenen Arbeit mit ihrer jeweiligen messbaren Wirkung aufzählen und den persönlichen Beitrag zum Projekterfolg klar benennen zu können. 

Auch ist mit Arbeitsproben/Coding Challenges zu rechnen – teils vor Ort, teils asynchron. Um den fachlichen und persönlichen Fit zu prüfen, werden darüber hinaus Probearbeitstage immer beliebter.

Welche Weiterbildung hat Zukunft?

Anna Lüttgen: Es gibt keine Lösung von der Stange. Wirksam ist, was die individuelle Lücke schließt – sowohl fachlich (Cloud, Daten, Security, KI) als auch mit Blick auf Meta-Skills wie Resilienz oder Veränderungsfähigkeit. Oder auch das, was dem japanischen Lebens- und Arbeitsprinzip Ikigai entspricht, das verbindet, was man liebt, gut kann, was die Welt braucht und wofür man bezahlt wird.

Und natürlich gilt auch hier: Augen auf bei der Anbieterwahl, deren Portfolio nicht nur fachlich, sondern auch persönlich passen sollte. Seriöse Bildungsträger erkennen Sie zum Beispiel daran, dass sie durch die Bundesagentur für Arbeit gefördert werden, offizielle Zertifikate anbieten oder positives Feedback von Alumnis erhalten.

Wie wichtig sind Projekte und Referenzen?

Anna Lüttgen: Verifizierbare Ergebnisse wie Arbeitsproben, Referenzen, Empfehlungen auf LinkedIn – all das wird immer wichtiger, während klassische Arbeitszeugnisse an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig sollte man sich gut überlegen, von wem man überhaupt eine Referenz möchte, denn das ist ein absolutes Vertrauensthema.

 

Anna Lüttgen Profilbild© Anna Lüttgen / Hays


Zur Person Anna Lüttgen

Anna Lüttgen ist als Director Talent Delivery für die Delivery Center bei Hays in Deutschland verantwortlich, die sich schwerpunktmäßig um die Rekrutierung und Betreuung von Fachkräften für die strategischen Kunden des Unternehmens kümmern. Für diese Aufgabe ist die Diplom-Kauffrau bestens gerüstet, schließlich bringt sie über 25 Jahre Erfahrung in der lokalen und globalen Rekrutierung sowie im Bereich Active Sourcing mit.  


 

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Alexandra Maier
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