Räumen Sie im Vorstellungsgespräch
die Zweifel des Interviewers aus

Es ist ein allzu reales und extrem beunruhigendes Szenario für jeden Personalverantwortlichen: Die offene Stelle ist nach monatelanger Suche besetzt und nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass er sich für den falschen Bewerber entschieden hat. Im Folgenden lesen Sie die häufigsten Bedenken von Personalern und Personalberatern. Sie erhalten Tipps, wie Sie proaktiv damit umgehen und wie Sie Ihrem Gegenüber ein gutes Gefühl geben können.

Natürlich will jeder Personaler eine solche Situation vermeiden. Er wird sich mit jedem Kandidaten, den er zum Vorstellungsgespräch einlädt, genau befassen: Was spricht für und was spricht gegen ihn? Gibt es Bedenken oder zeichnen sich potenzielle Risiken ab?

Für Bewerber ist es extrem wichtig, sich über diese Zweifel im Klaren zu sein, damit sie sich bereits vor dem Vorstellungsgespräch darauf vorbereiten können.

1. Ihnen fehlen die erforderlichen Qualifikationen und Erfahrungen

Der Personalverantwortliche sucht nach einem Kandidaten, der die Anforderungen an die Stelle bestmöglich erfüllt – und das natürlich zu Recht. So können Sie sich positionieren, falls Sie nicht alle erforderlichen Qualifikationen aufweisen können:

Finden Sie heraus, welche Qualifikationen Sie nicht mitbringen

Während Sie sich auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet haben, haben Sie sich wahrscheinlich auf die Anforderungen konzentriert, die Sie am besten erfüllen und im Gespräch hervorheben möchten. Sie sollten sich jedoch auch unbedingt damit auseinandersetzen, welche Qualifikationen Ihnen fehlen.

Können Sie sich diese Qualifikationen vor dem Vorstellungsgespräch aneignen?

Wenn Ihnen eine Schlüsselqualifikation für die Position fehlt, überlegen Sie, ob Sie diese noch im Vorfeld erlernen können. Sie werden sich sicher nicht jede Qualifikation innerhalb kürzester Zeit aneignen können. Sich darum zu bemühen ist jedoch schon einmal ein guter erster Schritt.

So reagieren Sie, wenn Ihr Gesprächspartner Bedenken äußert

Falls Ihr Interviewer seine Vorbehalte direkt äußert, sollten Sie betonen, dass Sie eine schnelle Auffassungsgabe haben und gerne dazulernen möchten. Vielleicht können Sie ihm auch anhand eines Beispiels demonstrieren, dass Sie sich bereits in der Vergangenheit bestimmte Fähigkeiten schnell angeeignet haben oder von sich aus an einer Weiterbildung teilgenommen haben.

2. Ihr Lebenslauf weist Lücken auf

Eine Auszeit vom Berufsalltag kann sehr erfüllend und lohnenswert sein. Natürlich können auch unvorhersehbare und unvermeidbare Umstände zu den Lücken in Ihrem Lebenslauf geführt haben. Was auch immer die Gründe dafür sein mögen, Sie sollten in der Lage sein, diese offen und ehrlich zu kommunizieren. So können Sie dem Interviewer mögliche Zweifel nehmen:

Seien Sie bereit, etwaige Beschäftigungslücken zu rechtfertigen

Sie sollten die Lücken in Ihrem Lebenslauf vor dem Vorstellungsgespräch kennen. Im besten Fall können Sie erklären, welche Vorteile sie Ihnen in der Vergangenheit gebracht haben bzw. in der neuen Position bringen könnten. Der Interviewer wird dieses Thema wahrscheinlich ohnehin ansprechen. Haben Sie sich vorbereitet und wissen, wie Sie damit umgehen wollen, können Sie den Interviewer über die Gründe aufklären und ihm klarmachen, dass Sie in dieser Zeit nicht untätig gewesen sind. Waren Sie auf Reisen? Waren Sie ehrenamtlich tätig? Waren Sie arbeitssuchend? Es ist sehr wichtig, bei diesem Thema ehrlich zu sein.

Räumen Sie im Vorstellungsgespräch Zweifel des Interviewers aus

3. Sie wirken nervös und unsicher

Versuchen Sie, sich nicht von Ihrer Nervosität überwältigen zu lassen. Andernfalls könnte das dazu führen, dass Ihr Gesprächspartner Ihr volles Potenzial nicht erkennt und Zweifel an Ihrer Eignung für die Position entwickelt. Zwei Tipps:

Bereiten Sie sich gründlich vor

Wenn Sie wissen, dass Sie schnell nervös werden, sollten Sie sich noch intensiver vorbereiten. Je besser Sie sich wappnen, umso sicherer und ruhiger werden Sie sich fühlen. Üben Sie die Beantwortung von Standardfragen laut, planen Sie Ihre Anreise, schlafen Sie ausreichend und legen Sie sich Ihr Outfit am Abend zuvor zurecht.

Während des Vorstellungsgesprächs

  • Denken und handeln Sie positiv
  • Betrachten Sie das Vorstellungsgespräch als Unterhaltung.
  • Denken Sie nach, bevor Sie antworten, und sprechen Sie langsam und deutlich.
  • Bleiben Sie sich selbst treu, verstellen Sie sich nicht.
  • Halten Sie möglichst viel Blickkontakt und lächeln Sie.

4. Sie sind überqualifiziert

Falls der Personalverantwortliche Ihren Lebenslauf liest und denkt, Sie seien für die Stelle überqualifiziert, wird er wahrscheinlich auch während des Vorstellungsgesprächs gewisse Zweifel und Vorbehalte haben. Er könnte z. B. denken, dass Sie sich in der neuen Rolle nicht richtig engagieren und sich schnell wieder nach einer anderen Stelle umsehen würden. Vielleicht denkt der Interviewer auch, dass Sie einfach zu teuer sind. Falls Sie sich auf weniger anspruchsvolle oder schlechter bezahlte Stellen bewerben, sollten Sie darauf vorbereitet sein, dass man Ihnen hier ordentlich auf den Zahn fühlen wird. Diese drei Tipps helfen Ihnen in einer solchen Situation:

Bekunden Sie Ihr Interesse an der Position

Um die Zweifel auszuräumen, ist es wichtig zu zeigen, dass Sie wirklich an der Stelle interessiert sind – und zwar genau an dieser. Informieren Sie sich im Voraus, bereiten Sie ein paar Fragen für das Gespräch vor und machen Sie sich währenddessen Notizen. Ihre Begeisterung für die Stelle könnte wirklich dazu beitragen, dass Sie Ihr Gegenüber für sich gewinnen. Sie können den Interviewer überzeugen, dass Sie die richtige Wahl für die Stelle sind – ganz unabhängig von Ihren Qualifikationen.

Verdeutlichen Sie, dass Sie an einer langfristigen Beschäftigung interessiert sind

Eine der häufigsten Befürchtungen ist, dass sich ein überqualifizierter Bewerber schnell wieder umorientieren wird. Versuchen Sie, Ihrem Gegenüber aufzuzeigen, dass Sie auf eine solide Laufbahn zurückblicken, ein loyaler Mitarbeiter sind und bei den vorherigen Arbeitgebern immer über einen langen Zeitraum beschäftigt waren.

Seien Sie ehrlich

Sollte Ihr Gesprächspartner seine Bedenken bezüglich Ihrer Überqualifizierung äußern, sagen Sie ganz offen und ehrlich, warum Sie sich auf die Stelle beworben haben. Möchten Sie eine Tätigkeit ausüben, in der Sie weniger Verantwortung tragen müssen? Spielt Geld eine untergeordnete Rolle und können Sie sich deshalb erlauben, einen Job anzunehmen, der Ihnen wirklich Spaß macht? Möchten Sie sich beruflich verändern? Ihre Offenheit wird gut ankommen und Ihrem Gesprächspartner die Möglichkeit geben, Ihre Beweggründe zu verstehen.

Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Werfen Sie vor dem Vorstellungsgespräch einen Blick in den Spiegel – im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. Versetzen Sie sich in die Lage des Personalers und versuchen Sie, ganz realistisch einzuschätzen, was ihm möglicherweise Kopfzerbrechen bereiten könnte. So sind Sie gut auf das Gespräch vorbereitet. Sie fühlen sich sicher, können jedwede Zweifel ausräumen und Ihr Gegenüber schließlich davon überzeugen, dass Sie die optimale Besetzung für die Stelle sind – auch noch lange, nachdem Sie Ihre erste Gehaltszahlung erhalten haben!